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Glaubenskurs: 2. Abend am 11. September 2019

09.09.2019

 

Heute beim 2. Abend des Glaubenskurses über den Heiligen Geist in der Kreuzkirche  sind unterschiedliche Glaubensstile unter Christen das Thema. Was ist die Art von Spiritualität, die einen persönlich anspricht? Der Abend mit Vortrag, kleinem Imbiss, Musik und kreativen Stationen startet um 19 Uhr im Gemeindesaal. Kontakt: 43733

 

 

Der Heilige Geist: meine persönliche Erfahrung

Vortrag am 11. September 2019 im Glaubenskurs der Kreuzkirche

Von Holger WETJEN

1. Jeder Mensch hat seinen persönlichen Zugang zur Spiritualität. Und so hat auch jeder Mensch seine persönliche Erfahrung des Heiligen Geistes. Wie ich den Heiligen Geist erfahren habe, das will ich hier erzählen. Der eine wird es neu finden. Der andere wird vielleicht sagen: so ähnlich habe ich es auch schon mal erfahren.

Zur besseren Orientierung möchte ich meinen Vortrag einteilen in drei Teile: wie wirkt der Heilige Geist: erstens auf den Körper = als Kraftquelle, zweitens auf den Geist = gibt Struktur, drittens auf die Seele = schenkt mir Ausdauer.

2. Auf meinen Körper wirkt der Heilige Geist als Kraftquelle. Ich habe die Erfahrung gemacht: wenn ich wieder mit Gott und Jesus und dem Heiligen Geist verbunden bin, dass ich dann körperlich viel stärker und stabiler bin. Ich glaube an Gott und führe das nicht einfach „nur“ auf gesunde Ernährung zurück oder auf eine reine medizinische Gesundheit. Sondern: ich verbinde meine körperliche Gesundheit damit, dass ich in einer guten Beziehung zu Gott stehe. Gott trägt mich und will, dass ich als Mensch handele. Ich bin neugierig auf den Tag. Und ich begegne den Menschen und nehme sie an. Dazu gehört ein gewisser Abstand. Mit diesem Abstand sehe ich die Menschen als Bereicherung an. Ich nehme mir Zeit, ihre Ideen zu verarbeiten. So fühle ich mich aufgehoben in der Gemeinschaft. Das heißt: der Heilige Geist ist erstens wohl eine Überlegung. Er ist Geist. Aber dazu gehört auch ein körperliches Kraftgefühl. Der Heilige Geist ist eine Körper-Erfahrung.

3. Ein Beispiel: Morgens habe ich manchmal eine Depression, ich komme nicht aus dem Bett. Aber Gott sagt mir: Stehe auf! Du willst doch heute einen Freund anrufen, weil er Geburtstag hat, und ihm gratulieren. Da das Telefon ja nicht neben Dir am Bett liegt, musst Du aufstehen.

An einem anderen Tag sagt Gott mir durch den Heiligen Geist: Du musst heute Kartoffeln kaufen, sonst hast du morgen kein Abendessen.

Und solche Gebete machen tatsächlich, dass ich dann aufstehe. Also der Heilige Geist hilft mir zu leben gegen die Existenzangst. Handeln heißt nicht, sich selbst zum Helden zu machen. Sondern Handeln und Aufstehen heißt verantwortlich sein.

4. Wie wirkt der Heilige Geist auf meinen Geist? Er gibt dem, was ich denke und sage, eine Struktur. So eine Struktur ist notwendig, damit aus dem Chaos überhaupt etwas entstehen kann. Darin hat sie eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Pfingstwunder, wie es in der Bibel beschrieben wird. Die Bibel erzählt, wie der Heilige Geist die Gemeinde inspiriert, und die Prediger dann in verschieden Sprachen predigen und ihre Gemeinden aufbauen. Diese Gemeinden sind der Ursprung der Kirche. Inspirierte Prediger sind unterwegs und gründen hier und dort eine neue Gemeinde. So hat sich die Kirche aufgebaut.

Und noch eine Erfahrung gehört dazu: Ich bin aufgehoben im Wir der Gemeinde. So eine Erfahrung mache ich beim Singen mit Anderen.

5. Das heißt, dass ich mich nur darum selbst verwirklichen kann, weil ich mit anderen zusammenarbeite. Das eine schließt das Andere nicht aus. Wenn die Existenzangst einen plagt, dann fühlt man sich leicht von dem Anderen bedroht. Hier aber ist es das Gegenteil: man erkennt, dass es neue Möglichkeiten gibt, sich selbst zu verwirklichen, wenn man arbeitet mit der Absicht, gehört zu werden. Die Predigt ist dann eine inspirierte Predigt. Auch in der Gemeindearbeit machen viele Menschen diese Erfahrung.

Was ich sage, hat eine Wirkung = der Andere denkt morgen noch daran, und er handelt danach. Mein Wort bewirkt ein bestimmtes Handeln. Das meint Jesus in der Bergpredigt: „Wer meine Rede hört und handelt danach, ist wie der Mann, der sein Haus auf Stein gebaut hat.“

6. Wenn der Heilige Geist in mir wirkt, verbessert sich auch meine Einfühlung in den Anderen. Ich weiß, was er will. Ich erlebe den Anderen dann nicht als bedrohlich, sondern er bereichert mich. Ich erfahre: wenn ich mit dem Anderen zusammenarbeite, dann ist das eine Selbstverwirklichung.

7. Darum hat der Heilige Geist einen doppelten Charakter: einerseits ist er sakramental und stellt die Gemeinschaft der Kirche her. Andererseits hat er einen Wort-Gottes-Charakter: er individualisiert: er gibt mir die Formulierung ein, wenn ich spreche. Dadurch trete ich mit dem Anderen in einen Dialog. Also, wenn meine Rede eine Struktur hat, dann kann ich mit dem Anderen selbstsicher ins Gespräch kommen.

8. Wie wirkt der Heilige Geist auf die Seele? Er gibt mir Ausdauer, Gelassenheit und Gegenwart.

Ausdauer: Gott gibt mir einen Auftrag, zum Beispiel: den Garten bebauen und Gemüse pflanzen. Nun ist das Frühjahr kalt und das Gemüse entwickelt sich langsam, aber ich bewahre die Ruhe. Ich sage mir: dann sind die Erbsen nun einmal eine Woche später groß und reif für die Ernte.

9. Gott gibt mir Gelassenheit: im Gebet kann ich mit Gott über die Dinge sprechen. Ich habe in Gott Vertrauen. Gott schenkt mir die Möglichkeit, in der Kirche mitzuwirken. Ausdauer heißt aber noch etwas Anderes: kein vorgefertigter Maßstab legt alles fest. Sondern der Maßstab ist das, was im Leben passiert und so, wie es passiert. Ich erlebe das als Freude.

10. Gegenwart: der Weg ist das Ziel. Etwa so beschreibe ich ein Leben in der Gegenwart. Dabei leitet mich das Grundgefühl: meine Leben ist in Gottes Hand. So wie es ist, so soll es sein. Und im Gebet erkenne ich den Sinn.